Informationen zur historischen kommunalen Kläranlage der Stadt Krefeld

Die historische erste Krefelder Kläranlage ist eines der erhaltenen Zeugnisse der Stadthygiene aus der Zeit der brennenden Fragen, die sich aus dem enormen Wachstum der Städte während der Industrialisierung Europas am Ende des 19. Jahrhunderts ergaben.  

Das Klärwerk ist erstaunlicherweise fast ganz und unverändert erhalten und kann spannende Geschichten aus den vergangenen 111 Jahren der Stadthygiene und darüber hinaus erzählen:

  • zur Industrialisierung und den Auswirkungen auf das Leben in der Stadt
  • der Wiedererfindung der Kanalisation, dem ersten Netzwerk einer Stadt
  • zu Auseinandersetzungen mit benachbarten Gemeinden um die Abwässer Krefelds
  • zur Bekämpfung von Seuchen wie Cholera und Typhus
  • zur „Städtereinigungsfrage“, dem damals hoch umstrittenen Anschluss der heute so selbstverständlichen Sanitären-Einrichtungen an die Kanäle
  • der Suche nach Lösungen wie mit steigenden Mengen Abwasser und der Selbstreinigung der Flüsse umzugehen sei
  • der Auseinandersetzung von Kommunen mit den Regierungen um die Abwasser-Reinigungsfrage
  • und (gar nicht zuletzt) vieles zu frühen Umweltschutz- Bemühungen 

Aber das Klärwerk ist nicht nur ein geschichtsträchtiger Ort. Sie ist auch ein vor über 111 Jahren brillant erdachtes und kunstvoll errichtetes Gebäude des Jugendstils, mit ersten Anklängen an die sachliche Moderne, recht ungewöhnlich für einen Ingenieurbau und erst recht für einen der  Stadthygiene.

In der Anlage ist die Arbeit an der mechanischen Abwasserreinigung noch ablesbar, fachkundige Führungen setzen das Klärwerk dabei erzählt in den Kontext der Geschichte. All das macht diese Anlage einzigartig.   

Wohl erst 1962  ist das Klärwerk nach über 50 Jahren unverändertem Dienst  ausser Betrieb gegangen. Nach einem ersten Leerstand ist es seit 1980 als ein frühes Muster für eine Umnutzung denkmalgeschützter Industriebauten gehandelt worden, die Klärhalle wurde als Abwasser Pumpwerk von ca. 1982 bis 1998 umgenutzt, allerdings dabei dann auch stark beschädigt, wonach dieser letzte Betrieb still und heimlich endete. Danach war die Anlage 20 Jahre verlassen, nicht nur der Zustand der Gebäude wurde immer schlechter, auch nur die Geschichte der Anlage verblasste immer mehr. 

Vier Freunde haben 2018 die Anlage von der Stadt Krefeld übernommen und wollen im kleineren Teil der Anlage, dem ehemaligen Pumpwerk, ein Büro für sich errichten. Nach den ersten Vorbereitungen wurden in der größeren Klärhalle und weiteren Nebengebäuden immer mehr, bisher unbekannte Details der Kläranlage  wiederentdeckt, erste Forschungen aufgenommen. Schnell wurde klar: das muss gesichert und anderen Menschen gezeigt werden können.

Dies rückte immer mehr in den Vordergrund und seitdem sichern, forschen,  dokumentieren, konservieren, setzen sie Schritt für Schritt immer mehr Teile der Anlage instand. Um die anliegenden vielen, meist ehrenamtlichen Arbeiten zu koordinieren, wurde unterstützend der „Verein zum Erhalt der historischen Kläranlage in Krefeld Uerdingen e.V.“ gegründet. Eine enge Zusammenarbeit mit der unteren Denkmalbehörde der Stadt Krefeld, dem LVR Amt für Denkmalpflege, ermöglicht eine fachliche Begleitung dieser Arbeiten.

Das Ziel ist es, die gesamte Anlage einer möglichst großen Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Den nachhaltigen Erhalt der Gebäude zu ermöglichen. Die Eisenbeton-Konstruktion der großen Klärhalle so zu ertüchtigen, dass sie trotz der Beschädigungen der frühen Umnutzung, auch die nächsten 111 Jahre überstehen wird.  

Das alles ist noch ein weiter Weg, aber Perlen liegen bekanntlich an jedem Wegesrand. So ist das Gebäude heute zwar noch kein Raum für Begegnungen und Ausstellungen, aber dennoch zu besonderen Terminen ein erfahrbares Exponat .

Aufgrund der laufenden  Sicherung der historischen Bausubstanz und der technischen Einbauten ist das innere des Gebäudes leider zur Zeit in der Regel nicht öffentlich zugänglich. Über eventuelle Sonderführungen informieren wir hier

Der Verlauf der Arbeiten an der Anlage kann hier nachverfolgt werden: BLOG  

Zuletzt noch eine sehr ernst gemeinte Warnung:

In der Zeit des Leerstands wurde das Gebäude wiederholt aufgebrochen und beschädigt. Dies muss aufhören, denn nur so kann es für nachfolgende Generationen erhalten werden.  Das Gebäude ist nun alarmgesichert und kameraüberwacht. Wer sich unerlaubt Zutritt in das Gebäude verschafft, es unbefugt betritt, begeht Hausfriedensbruch, § 123 StGB. Dies hat mindestens empfindliche Geldstrafen zur Folge!  Bei Einbruch, also dem gewaltsamen Öffnen einer Umschließung, gilt §243 StGB, dies hat Freiheitsentzug zur Folge!

Übrigens, wir wiederholen das gern: Das Gebäude ist alarmgesichert und kameraüberwacht! 

Anyone who gains illegally access into the building, who enters it without authorization, commits a crime. This results in – at least – sensitive fines!

In case of burglary, or the violent opening of an enclosure, the german law §243 StGB applies, this will result in imprisonment! Do not enter the building, no trespassing! 

By the way, we like to repeat that: The building is alarm-protected and camera-monitored!

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